cover tuomi - Tightrope Walker

Tuomi
Tightrope Walker
15 FEB 2005

Traumton CD 4480
EAN/UPC 705304565629

 

tracks

 
  • 1. Romance 4:14
  • 2. Golden Brown 4:09
  • 3. Tight-Rope-Walker 6:05
  • 4. Carlos (Sweet) 5:27
  • 5. Where Cupid Got New Fire 2:57
  • 6. A Thing On A String ( Machine Ballerina) 1:20
  • 7. Rid My Pain 8:13
  • 8. Two Of One 3:14
  • 9. Bela In The Desert 1:46
  • 10. Bridal Ballad 5:37

credits

Musik 1, 3, 5, 7, 8, 10, Text 8: Carsten Daerr
Musik 2, 4: Carlos Bica
Musik 9: Béla Bartók
Musik + Text 6: Suzanne Vega
Text 2, 3: Kristiina Tuomi Text 4: Kristiina Tuomi + Ana Brandão
Text 9: Kristiiina Tuomi + Corinna Reich
Text 1, 10: Edgar Allen Poe
Text 7: William Skakespeare

Tracks 1, 3, 5, 7, 8, 10: Published by Traumton Musikverlag
Track 2: Published by Edition Mawi
Recorded at Vagnsson Studios, Hamburg by Hrólfur Vagnsson

lineup

Kristiina Tuomi voice
Carsten Daerr piano
Carlos Bica doublebass

info

Immens ist der Boom, den skandinavische Sängerinnen in den letzten Jahren ausgelöst haben. Rebekka Bakken, Kari Bremnes, Rigmor Gustafsson oder Cæcilie Norby – Namen wie diese locken das deutsche Jazzpublikum derzeit in die Säle und Plattenläden, formen eifrig eine Neudefinition des zeitgenössischen Euro-Jazz’, der sich von den US-Schulen mühelos abgenabelt hat. Auffällig hierbei: Eine Finnin fehlte bislang in der ersten Riege der noblen Nordstimmen. Mit Kristiina Tuomi stellt sich nun eine aufregende und eigensinnige Vokalistin vor, die Finnland auf der Landkarte des modernen Jazz-Songwritings platziert – und dies mit transeuropäischer Unterstützung sowie Poesie von Poe bis Shakespeare.

Eine »Tight-Rope-Walker« verheißt der Titel von Tuomis Debüt, und seiltänzerischen Charakter hat schon die künstlerische Biographie der 27jährigen: Als Autodidaktin entdeckt die Tochter einer finnischen Mutter und eines deutschen Vaters relativ spät die Musik, studiert an der Universität der Freien Künste in Berlin. Vom Opern- übers Jazz-Fach bis hin zu Pop und Dancefloor-Produktionen entfaltet die Nachwuchsstimme zügig ihre Aktivitäten. Mit Stefan Goldmann tummelt sie sich in Deephouse- und Elektro-Gefilden, zum Liebling der BBC-Playlisten avanciert sie mit dem Berliner Electronica-Act Paloma. Ihre skandinavische Indiepop-Band namens Seazoo hat sie mit ihrem umtriebigen Landsmann Kalle Kalima aufgezogen, seines Zeichens schon Gitarrist für Jimi Tenor oder Tomasz Stanko. Und genau wie ihre klare, ausdrucksintensive, aber zugleich einfühlsame Stimme über den lauteren Beats eindrucksvoll wirken kann, ist sie auch ganz natürlich im akustischen Ambiente zuhause: Das Trio »So Weiss« mit der Braunschweiger Saxophonistin Susanne Funk und dem Kontrabassisten Roland Fidezius aus Berlin zeugt mit seinen herausragenden deutsch-englischen Lyrikvertonungen davon – und nun auch ihr neues Dreiergespann, mit dem sie einen CD-Erstling unter eigenem Namen eingespielt hat.

Es ist eine transeuropäische Diagonale der besonderen Klasse, die sich da auf »Tight-Rope-Walker« zusammen geschlossen hat: Finnland - Deutschland – Portugal heißt die tönende Achse dieser Session, die in den Hamburger Vagnsson Studios stattgefunden hat.

Als Meister über die Tasten zeichnet Berlins Neuentdeckung, Carsten Daerr verantwortlich. Nach klassischer Musikerziehung ging er einen eigenwilligen Weg, ließ sich von Postbop-Meister Kenny Kirkland, von einem Hancock oder Metheny genauso beeinflussen, wie er von Schubert und Olivier Messiaen bis hin zu Morton Feldman ein weites Inspirationsterrain aus der Klassik mitnahm. Nach eigenem Bekunden fließen in seine Klänge selbst Natur- und Stadtgeräusche ein. Während des Jazzpiano- und Kompositionsstudiums an der UdK Berlin (u.a. bei Hubert Nuss und Maria Schneider) begannen seine kreativen Teamworks, und bis heute kann er Kollaborationen mit etlichen Großen der Zunft aufweisen, unter ihnen Bobby McFerrin oder Marc Wyand. Daerr ist neben seiner Arbeit im Jazz auch als Komponist in der Neuen Musik aktiv. »Berliner Eigensinn statt US-fixiertes Traditionsbewusstsein. Daerr schafft es, dass selbst abenteuerliche Wendungen rund klingen, zwanglos originell«, jubelte der Rolling Stone. Und die Zeitschrift keyboards bescheinigte Daerrs Spiel »enormen harmonischen und pianistischen Einfallsreichtum, der eine neue Verbindung von Europäischer Kunstmusik und Jazz herstellt.« Von Daerrs flexibler Spannbreite zwischen abstrakter Akkordwucht und melodischer Begleitungsgabe lebt »Tight-Trope-Walker« ganz wesentlich.

Für ein stets ungeheuer singendes, mal federndes, dann wieder bauchiges Fundament sorgt Carlos Bica. Der Portugiese, der in seiner Heimat 1998 zum Jazzmusiker des Jahres gekürt wurde, ist auf internationaler Ebene seit dem Debüt seines Trio Azul (mit dem Gitarristen Frank Möbius und dem Schlagzeuger Jim Black) aus dem Jahre 1996 bestens bekannt. Im »Azul«-Projekt verzahnt er Jazz, Rock und ethnische Anklänge mit dem Erbe seiner Heimat, hat aber auch durch die Kooperation mit der Sängerin Ana Brandão Meriten im Songwriting-Bereich erworben. Bica hat im In- und Ausland mit vielen Größen musiziert, von Portugals Vokal-Ikone Maria João und dem Fadista Carlos Do Carmo bis zu den Stars des Jazzparketts wie Ray Anderson, Aki Takase oder Kenny Wheeler.

Schließlich die Wandlungsfähigkeit von Kristiina Tuomis stimmlicher Strahlkraft: Den hauchend-balladesken Ton beherrscht sie genauso wie eine mädchenhafte, neckische Laune, und fulminant ist ihr Vermögen, sich von verhaltenen bis zu mächtigen expressiven Sequenzen zu steigern. In viele Charaktere schlüpft die Deutsch-Finnin während des abwechslungsreichen Repertoires. Das stammt zumeist aus der Werkstatt von Carsten Daerr, greift neben reinen Originalkompositionen aber auch auf Verse eines spannenden literarischen Spektrums zurück. Feierliche, getragene Töne in einer Shakespeare-Vertonung, eine Noise-Miniatur, die einen Suzanne Vega-Song paraphrasiert, Anklänge an Bartók, eingerahmt durch zwei Poe-Poeme, die mit ihrem versonnenen Charakter eine stimmungsvolle Klammer um das Opus bilden.

Ohne sich auch nur einen Moment aufs Kopieren ihrer skandinavischen Vokalschwestern einzulassen, trägt Kristiina Tuomi dem so beliebten nordisch angetupften Jazz unserer Tage originelle Facetten und vielgestaltige neue Impulse zu.

Anspieltipps:

1. Romance: Die wunderbar fließende und sangliche Einstiegsballade lässt die 1829 geschriebene kryptische Naturlyrik des jungen Edgar Allen Poe zu neuen Ehren kommen.

3. Tight-Rope-Walker: Ein fulminanter Spannungsbogen wohnt dem Titelstück inne - in höchsten Lagen perlt das Klavier, der Bass umspielt es als Singstimme, bis Kristiina Tuomi über der dramatischen Basis mit ihrer Geschichte über die taumelnde Protagonistin einsteigt. Rasant schrauben sich Blockakkorde und Bass-Staccato empor, bevor das wirbelnde Geschehen sich mit letzten Pianokaskaden wieder beruhigt.

4. Carlos (Sweet): Tuomi spielt ihr gehauchtes, zärtliches Timbre in dieser tänzerisch-schlichten und leichtfüßigen Nummer aus der Feder Bicas aus, der hier auch mit einem lyrischen Solo aufwartet. Den Schluss belebt ein unerwartet geräuschhafter Einschub.
- 7. Rid My Pain: Ein Meisterstreich klassischer Gedichtadaption - Shakespeares Sonnet 139, eines jener intensiven Liebesgedichte, das er seiner ominösen »Dark Lady« zugeeignet hat, schreitet hier in stolzer, melancholischer Würde einher.

presse

»Deutschland und Skandinavien treffen sich im Gen-Pool einer interessanten neuen Sängerin: Mutter Finnin, Vater Deutscher, aufgewachsen in Berlin. Kristiina Tuomi ist bei ihrem CD-Debüt immerhin siebenundzwanzig und hat schon so einiges ausprobiert – Indiepop, Deephouse, Elektronika. Seltsam nur, davon hört man auf ›Tightrope Walker‹ nichts. Sie transportiert ihre Songs nämlich fast ganz in den Bereich des Kunstlieds, aber eben nur fast. Denn eine so pathos- und posenfreie, leicht folkige Stimme gibt es dort ebenso wenig wie die improvisatorischen Freiheiten, die dem höchst sensiblen Pianisten Carsten Daerr eingeräumt sind.
Der gleichberechtigt in die äußerst disziplinierte Kammermusik einbezogene, sehr sauber auch streichende Bassist ist der Portugiese Carlos Bica. Das Trio schreibt sich Musik und Texte meistens selbst, vertont aber auch Shakespeare und Poe oder adaptiert Kompositionen von Béla Bartok und Suzanne Vega. Die bedachtsame Textinterpretation, die mit musikalischen Stilzitaten von der Spätrenaissance bis zu einer gemäßigten Moderne des frühen zwanzigsten Jahrhundert reicht und zu ganz unterschiedlichen Charakteren der einzelnen Stücke führt, ist sehr deutlich der romantischen Liedtradition verpflichtet.
Der Traum von Kristiina Tuomi ist es, dass mit ihrem Namen sofort eine bestimmte Athmosphäre assoziiert wird, so wie bei ›Max Raabe‹ oder ›Portishead‹ (diese beiden Namen hat noch niemand in einen Topf geworfen). Das ist ihr bereits gelungen – es müssen nur noch genügend Leute hören.«

FAZ: Pygmäenmusik kann auch schön sein, Frau Magister | Ulrich Olshausen | 23.07.2005

»Ein sensationelles Debüt, jenseits aller stilistischen Vorstellungen.«

nordische-musik.de

»…die wohl sinnlichste Versuchung in Sachen Jazz der letzten Zeit…«

Melodie & Rhythmus | 2005/04

»Die junge finnische Sängerin Kirstiina Tuomi weiß mit eigenen Songs sowie einer sensibel interagierenden Trio-Besetzung mit dem Pianisten Carsten Daerr und dem Bassisten Carlos Bica zu faszinieren.«

Jazzzeitung - Critics Choice | Bert Noglik, MDR | 2005/04

»Seit Jahren mischen Skandinavier den europäischen Jazz auf. Nur die Finnen hielten sich bislang vornehm zurück. Nun schicken sie Kristiina Tuomi vor - und sie nimmt uns sofort ein, liebend gerne nehmen wir sie auf, sie lässt uns nicht los. Ihre moosgrünen Augen beinhalten ein Versprechen, bergen weite Natur, ihr Debüt birgt Diamanten, Klarheit und Melancholie. Die 27-jährige Sängerin, ebenso vielseitig talentiert wie ihre beiden exzellenten Mitstreiter Carsten Daerr (p) und Carlos Bica (b), verbindet leichtfüßig Jazz, klassische Moderne und sinnlich-intelligentes Songwriting. Die Seele fühlt sich in dieser Unendlichkeit wohl. Zehn Lieder, vielfach Eigenkompositionen, vielfach von Daerr, zwei Poe-Vertonungen, Anleihen bei Bartók und Vega: zum Weinen schön. Willkommen, Seiltänzerin!«

Kulturnews | (jan) | 3/2005

»Einige unserer ›Volksvertreter‹ nutzen in diesen unruhigen Zeiten jede Gelegenheit, um vorn ›Scheitern des multikulturellen Experiments‹ und von ›Parallelgeselischaften‹ zu faseln. Dass es ungezählte Beispiele für inspirierten Kulturaustausch gibt, ignorieren die Damen und Herren Mandatsträger gerne. Eines davon: Tuomi, ein finnisch-deutsch-portugiesisches Trio aus dem Melting Pot Berlin, das neben eigenen Texten auch die Zeilen von zwei genialen literarischen Sonderlingen aus England und den Vereinigten Staaten zum Besten gibt. Die Sängerin Kriistina Tuomi, der Pianist Carsten Daerr und der Bassist Carlos Bica vertonten auf ihrem Album ›Tight Rope Walker‹ (Traumton/Indigo) Shakespeare-Sonette und Edgar-Allan-Poe-Gedichte. ›Vom Kunstliedansatz hat sich unser Sound in Richtung improvisierte Musik. Jazz und Volkslied entwickelt‹, erklärt Carsten Daerr die stilistische Ausrichtung des gleichberechtigten Dreiers. ›Die Ästhetik und die Arbeitsweise, also etwas aus dem Moment heraus zu entwickeln, stammt schon vom Jazz, aber vom Gesang her würde ich mich eher dem Pop zuordnen‹, ergänzt Kriistina Tuomi, die Jazz studierte und außer im Trio noch in der Popband Seazoo und einem anderen Jazztrio aktiv ist. Aus den aufgezählten, höchst gegensätzlichen musikalischen Elementen hat die Band einen homogenen Sound geschaffen, in dem die finstere Grundstimmung einen nicht erschlägt, sondern auf wundersame Weise leicht klingt. Was zuerst als Duo begann und dann mit einem Cellisten zum Trio aufgestockt wurde, war ›damals Melancholie pur‹. Doch als das Cello in einem Koffer Richtung Hamburg entschwand, brachte ein Neuzugang Licht in die Düsternis bei Tuomi: der Bassist Carlos Bica. ›Er ist ja nun Portugiese und bringt als Südländer eigene Stücke mit ein, die unserem Programm gelegentlich einen sonnigen Touch verleihen oder zumindest einen Hoffnungsschimmer offerieren‹, lacht Kriistina Tuomi. Trotz dieser Lichtpartikel bleibt die Musik des Trios erfreulich dunkel, elegisch, verwunschen und tönt mit ihren klaren, lyrischen Melodien und verklärten Harmonien liebreizend artifiziell.«

Jazzthing | Ssirus W. Pakzad | 2/2005

»Nun gibt es auch die Stimme aus Finnland: Kristiina Tuomi, die als Tuomi zusammen mit dem Berliner Pianisten Carsten Daerr und dem Bassisten Carlos Bica aus Portugal ihr Debüt Tightrope Walker unter eigenem Namen aufgenommen hat. Eine dunkel klingende Platte, die in dieser intimen, kammermusikalischen Besetzung ebenso kleine, musikalisch fein aufbereitete Geschichten über romantische, aber auch verletzte Liebe erzählt, wie sie abstrakt einen Suzanne Vega-Song paraphrasiert oder mit getragenen Klängen einen Shakespeare-Text vertont. Béla Bartók taucht ebenso auf wie zwei Gedichte von Edgar Allen Poe. Und Kristiina Tuomi singt das alles mit einer entwaffnenden Klarheit und Schlichtheit - fernab von Jazzparametern -, die beim Zuhören angenehm fesselt.«

Jazzthetik | 3/2005

»Der Jazz ist wieder in und in Europa dominieren vor allem die graziösen Sängerinnen Skandinaviens. Neu dabei und gleich ganz oben ist die Finnin Kristina Tuomi mit ihrem Debütalbum ›Tightrope Walker‹. 

Was Norah Jones oder Katie Delua in den vergangenen Jahren auch in Deutschland populär machten, ist eigentlich nichts anderes als viele skandinavische als auch deutsche Sängerinnen seit vielen Jahrzehnten in Perfektion beherrschen: Den Jazz zelebrieren, zu zarten Melodien und emotionalen Arrangements.

Die in Berlin lebende Finnin Kristina Tuomi bildet da keine Ausnahme und knüpft nahtlos an die Tradition einer Rebekka Bakken, Kari Bremnes oder Silje Neergard an. Dass Tuomi sie sogar toppt, ist wahrscheinlich eine allzu kühne Behauptung, doch kann man sich in die Musik der früheren Paloma-Sängerin schnell verlieben. Ihr zur Seite stehen mit Carlos Bica und Carsten Daerr zwei international renommierte Jazzer. Besonders der Titelsong von Tuomis Debütalbum hat es in sich … Hier bündeln sich alle Qualitäten des Longplayers, atemberaubender, mitreißender Jazz für die leiseren Stunden des Tages.«


Redaktionswertung: •••••
Hörerwertung: •••••• 

tonspion.de, mp3 des Tages | (os) | 02.03.2005

»Mit ungewohnter Dramatik, grandiosem Gesang und in einer Powertriobesetzung haut einen ›Tightrope Walker‹ durch seine Intensität glatt vom Stuhl. Schwer zu sagen, was stilistisch alles in dieses Album der finnischen Sängerin einfließt – es ist jedenfalls ein absolutes Highlight im derzeiten Jazzvocal-Melting-Pot … Schaurig-schön, melodramatisch-balladesk und mehr…«

jazzdimensions.de | Carina Prange | März 2005

»Man schaut in trauernde Augen, starrt auf einen roten Teppich, findet sich bei Stings gefallenen Engeln wieder. Es ist in bester Form poetisch, was Tuomi da macht, wie sie die Schönheit der Shakespeare-Sonette freilegt und selbst die Rilke-Romantik in ›Liebes Lied‹ bändigt. Feine Gespinste mit Querstreben. Jedes Hinhören wert.«

Abendzeitung Nürnberg | (daer ) | 16.03.2007

»…perfektes Team im Land zwischen Jazz, Kunstlied und Avantgarde-Pop.«

JazzZeitung | April/Mai 2007

»Die wenigen Töne spielen sie elegant und bedeutungsvoll, melancholisch und dramatisch, es entstehen Momente sagenhafter Schönheit.«

KulturNews! | April 2007

»Tuomi verzaubert die Zuhörer, zumindest lässt das Trio etwas mit seinen Zuhörern geschehen, was schwer zu beschreiben ist. Die Songs verströmen Ruhe und Entspanntheit einerseits, andererseits erzeugen sie ein Gefühl von Bedrücktheit, eine Art hoffnungsvolle Endzeitstimmung. (…) Im Zentrum steht immer der Song, seine emotionale Wirkung, nie die Selbstdarstellung der beteiligten Musiker.«

(Bewertung: Großartig)

Kulturradio am Mittag | Ulf Drechsel | 21.03.2007

»Verführerisch
Kunstlied!? Da denkt der kulturbeflissene Zeitgenosse an Schubert und Schumann, kaum an Jazz-affine Musik aus unseren Tagen. Und doch: Was das Trio Tuomi auf seiner zweiten CD ›The Expense Of Spirit‹ (Traumton/Indigo) bietet, lässt sich am ehesten mit jener musikalischen Gattung vergleichen, die in der Romantik ihren Höhepunkt fand. Carsten Daerr (Piano), Carlos Bica (Kontrabass) und die Sängerin Kristiina Tuomi vertonen Sonette von Shakespeare und düstere Balladen von Poe, bearbeiten Rilkes ›Liebes Lied‹ und Yeats ›An Isle In The Water‹ und schreiben eigene Songs von sanfter Melancholie. Voller Licht, faszinierend, verführerisch.«

Augsburger Allgemeine, Wochenendjournal | (tb) | 21.04.2007

»Eine weitere Stimme ist im Begriff, sich auf der schon gut besetzten Bühne der Pop-Jazz-Sängerinnen zu etablieren. Kristiina Tuomi tritt an gegen Frauen wie Rebekka Bakken, Beady Belle, Silje Nergaard, Torun Eriksen oder Viktoria Tolstoi. Und sie macht eine ziemlich gute Figur. Ihr zweites Album hält, was das erste versprochen hatte: Kluge Musik, stilvoll arrangiert und versiert ausgeführt. Vertonungen von Dichtern wie Edgar Allen Poe, Shakespeare, Rilke oder Yeats, neben einigen Eigenkompositionen. Die Stimme variationsreich, weiblich, gefühlvoll, kräftig. Ihre Begleiter: Carsten Daerr, Piano, Carlos Bica, Kontrabass. Beides beschlagene Könner ihrer Instrumente; Musiker, die mit traumwandlerischer Sicherheit den Jazz beherrschen, aber auch keine Abneigungen gegen Ausflüge in musikalische Nachbarregionen verspüren. Kristiina Tuomi ist die Verführung in Person. Nicht nur optisch. Konzerte hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Ein Song wie ›Hide and Seek‹ ergibt mit seinen dynamischen Verbindungen zum Pop-Lager eine aufgekratzte Stimmunglage, ›When the Angels Fall‹ dagegen betört durch seine romantisch-melancholische Art, die durch das behutsam getupfte Klavier und den zart gestrichenen Bass noch verstärkt wird. Und überlässt Kristiina Tuomi beispielsweise auf ›Believer‹ das Rampenlicht gänzlich ihren beiden Partnern, dann taucht man tief ein in die Geheimnisse des modernen Jazz mit all seinen lieblichen Facetten und scharfen Kanten. Als Zugabe dann noch ein Remix, geheimnisvoll verfremdet. Eine CD, die man nicht verpassen sollte.«

Sound&Image | April 2007

»Tuomi ist ein Trio. Darauf legt die gleichnamige Kristiina allergrößten Wert. Eines, das in keine Schublade will. Einen festen Platz hat es dagegen längst. Dank der hinreißenden Altstimme seiner deutsch-finnischen Frontfrau, der erfrischend pathosfreien Lyrik des Pianisten Carsten Daerr und des Bassfarbenkastens des unvergleichlichen Carlos Bica. Die Herkulesaufgabe, für den vielgelobten Vorgänger ›Tightrope Walker‹ einen Nachfolger zu basteln, schultern die drei mir bravouröser Eleganz. ›The Expense of Spirit‹ atmet diese spezielle Unverwechselbarkeit, den Reiz des Neuen, die Faszination offen daliegender Gefühle. Shakespeare, spielt eine tragende Rolle neben Edgar Allan Poe, Rainer Maria Rilke oder Sting. Es regnet metaphernreiche Eigenkompositionen, Lyrik, Melancholie, Saudade, Mörderballaden, Kunstlied und Improvisationen. Fans von Kate Bush, Regina Spektor, Tori Amos, Holly Cole, June Tabor oder Joni Mitchel werden Kristiina Tuomi mögen, das Jazz,- das Poplager und sogar die Rezensenten liegen ihr sowieso schon längst zu Füßen. Weil da endlich eine den stimmlosen Stimmchen, den ätzenden Marketingcoups, der Soft-Soul-Welle etwas Machtvolles entgegensetzt. Zeit wurde es!«

Jazzthing | (rk) | April 2007

»TUOMI verzaubert die Zuhörer, zumindest lässt das Trio (Kristiina Tuomi, Gesang; Carsten Daerr, Piano; Carlos Bica, Bass) etwas mit seinen Zuhörern geschehen, was schwer zu beschreiben ist. Die Songs verströmen Ruhe und Entspanntheit einerseits, andererseits erzeugen sie ein Gefühl von Bedrücktheit, eine Art hoffnungsvolle Endzeitstimmung. 
Die Kompositionen scheinen ganz gezielt als Vertonung der Textvorlagen (Shakespeare; Rilke; Yeats; Poe, Tuomi) entstanden zu sein. Nach Auskunft der Musiker werden aber Gedichte ausgewählt, die zu welcher musikalischen Skizze passt. Dass Wort und Musik so perfekt harmonieren, beruht auf der sehr poetischen Kompositionsweise von Daerr und Bica, deren Songs (fast) immer eine erzählerische Dimension mit lyrischem (beinahe etwas Welt-entrücktem) Charakter haben. 
Die Sängerin Kristiina Tuomi bringt skandinavische Wurzeln in die Musik ein, Carlos Bica mediterrane und Carsten Daer u.a. die Tradition des romantischen Kunstliedes. Der Schnittpunkt heißt Jazz, offener Umgang mit den unterschiedlichen Stilmitteln. 
Durch die Einbeziehung von zwei Streichinstrumenten (Margherita Biederbick, Violine; Hannah Klein, Viola) bekommen die auch klanglich sehr klaren Kompositionen einen kammermusikalischen Touch und somit einen zusätzlichen Reiz. 
Im Zentrum steht immer der Song, seine emotionale Wirkung, nie die Selbstdarstellung der beteiligten Musiker. 
Die Remix-Version eines Stückes am Ende dieses zweiten Albums offenbart eine weitere, experimentierfreudige Seite von TUOMI, was durchaus ein Hinweis auf die kreative Weiterentwicklung des sehr originellen Bandkonzeptes sein könnte.«

Bewertung: •••••
RBB, Kulturradio am Mittag | Ulf Drechsel | 21.03.2007

»Jazz ist ein weites Land, in dem sich die Finnin Kristiina Tuomi ganz bestimmt nicht verlaufen hat. Mit Präzision und Fingerspitzengefühl erreicht sie ein Niveau, von dem so manche skandinavische Jazz-Sängerin noch weit entfernt ist…«

Tonspion | (sp) | 16.03.2007

»Wenige Veröffentlichungen stießen au solche Begeisterung wie Tuomis Debüt. Auch beim Nachfolger ›The Expense Of Spirit‹, VÖ 3/2007, erweist sich das Trio bei seiner Verquickung von jazz-affinem Pop, Shakespeare-inspiriertem Kunstlied und südländischer Harmonik als stilsicher. Souverän tritt der Sopran von Kristiina Tuomi mit Carsten Daerrs Klavierspiel und Carlos Bicas Kontrabass in Dialog. Es entstanden 14 Lieder voller Transparenz und lyrischer Feinheiten, die faszinieren können.«

intern | 01/2007