cover carsten daerr trio -Insomniac Wonderworld

Carsten Daerr Trio
Insomniac Wonderworld
26 OCT 2007

Traumton CD 4508
EAN/UPC 705304450826

Reinhören bei last fm

tracks

 
  • 1. Manila 6:51
  • 2. Penang 3:07
  • 3. Kuala Lumpur 3:59
  • 4. Jakarta 3:55
  • 5. Epilog (für meinen Vater) 5:01
  • 6. Singapur 3:43
  • 7. Negative FX 4:11
  • 8. Flatus Voci 2:56
  • 9. Crossing (x) 4:40
  • 10. Lucia 5:16
  • 11. Sombre, sombre 4:12
  • 12. Bonus Track: R2D2 Reloaded 1:28

credits

Musik 1, 2, 3, 4, 5, 6, 9,10: Carsten Daerr
Musik 7, 8, 11, 12: Eric Schaefer
All tracks published by Traumton Musikverlag
Recorded and mixed by Markus Mittermeyer & Martin Offik

Mastered by Wolfgang Loos
at Traumton Studios, Berlin

lineup

Carsten Daerr piano
Oliver Potratz bass
Eric Schaefer drums

Special guest tracks 1 & 3:
Uwe Steinmetz saxophone

info

Nach dem hochgelobten Debut PurpleCoolCarSleep (2003) und dem vom Magazin Rolling Stone zur »spannendsten Klaviertrio Platte des Jahres 2005« gekürten Nachfolger Bantha Food (2005) liegt mit Insomniac Wonderworld nun das dritte Album des Carsten Daerr Trios in der unveränderten Besetzung Carsten Daerr (Piano, Orgel), Oliver Potratz (Bass) und Eric Schaefer (Schlagzeug) vor. Gast bei zwei Tracks ist der Saxophonist Uwe Steinmetz. 

Insomniac Wonderworld – dieser Titel lässt viele Assoziationen zu: Zum Beispiel die Welt der schlaflosen Nachtgestalten, wie sie in dem Spielfilm Unser Wunderland bei Nacht von Jürgen Roland 1959 portraitiert wurden. In diesem kombinierte der Regisseur Bilder aus dem Hamburger Nachtleben mit dem Erzählstil des amerikanischen Film Noir und schuf so seine eigene, unverkennbare Ästhetik. Mit der Musik des 1975 geborenen Pianisten Daerr verhält es sich ganz ähnlich: Auch er schiebt die Grenzen seiner Musik seit Jahren dadurch hinaus, dass er die genuin amerikanische Kunstform des Jazz mit seinen, eben deutschen, Wurzeln in Einklang bringt und so zu einem eigenen Ausdruck, einer individuellen Sprache findet. 
Doch ist die Schlaflosigkeit auf Insomniac Wonderworld nicht von nervöser Unruhe geprägt, bedeutet »Insomniac« bei Carsten Daerr doch vielmehr einen Zustand überhöhter Wachheit, in dem das Staunen ständig in die Gegenwart ragt. Carsten Daerr hat sich die Fähigkeit, zu staunen, bewahrt und zudem hat er das seltene Talent, förmlich zwischen den Zeilen zu spielen. So fliessen auf Insomniac Wonderworld auch die Eindrücke seiner Südostasien Tournee nicht in Form folkloristischer Reminiszenzen , sondern als weiträumige Offenheit und spannende Dynamik in seine Kompositionen ein. Bei Titeln wie »Manila«, »Kuala Lumpur«, »Singapur« und »Jakarta« wird augenfällig, dass das Reisen ein thematischer Hauptstrang des Albums ist. Für fünf der zwölf Stücke dienten Daerr Reiseziele als Ausgangspunkte; Atmosphäre, Architektur und Klangkulissen dieser asiatischen Metropolen werden in diesen Kompositionen verarbeitet. Daerr spielt mit der Strukturoffenheit des Jazz, verläßt ausgetretene Pfade und sucht neue Perspektiven, um Orte in Südostasien zu beschreiben. Das Ergebnis dieser kosmopolitischen Herangehensweise sind so einzigartige Stücke wie das energiegeladene »Manila«, das seltsam undurchdringliche, mystisch aufgeladene »Penang« oder »Singapur«, das wie ein Sixties-Instrumental beginnt, zunehmend komplexer wird, um dann plötzlich in Reggae- und Dub-Anklängen zu münden. Carsten Daerr, so scheint es, ist musikalisch nichts fremd. 
Den Kontrast zu diesen Stücken bilden die introspektiveren Kompositionen, allen voran der lyrische »Epilog (für meinen Vater)« und die Piano-Solo-Komposition »Lucia«. Diese Hommagen an Menschen bilden quasi den Gegenpol zu den „Reisestücken“. 
Eine weitere Zäsur bilden die Kompositionen, die Schlagzeuger Eric Schaefer dem Album beisteuerte. In dem wilden, zerhackten »Negative FX« verarbeitet er allem Anschein nach seine Beziehung zum Hardcore der 80er Jahre, und in dem andersweltlich anmutenden Track »Flatus Voci« verwendet das Trio u.a. Soundsamples einer Kirchenorgel. Und schließlich ist da mit »R2D2 Reloaded« noch ein doppelter Rückgriff auf Vergangenes: Zum einen trägt das Stück den selben Namen wie der knuffige Roboter aus Sci-Fi-Kultepos Star Wars, zum anderen gab es bereits auf Bantha Food ein Komposition mit dem Titel R2D2 (Err-Zwo-De-Zwo). Gerade dieser musikalische Rückbezug macht klar, welchen Quantensprung das Trio in den letzten zwei Jahren gemacht hat. Und wie es, nach dem Bantha Food-Ausflug, deutlich geerdeter im Hier und Jetzt angekommen ist. Nach zehnjähriger Existenz haben Carsten Daerr und sein Trio mit Insomniac Wonderworld nicht nur das in der Musikbranche proverbiale »difficult third album« mit Bravour abgeliefert, sondern auch eine Tür in ein neues Klanguniversum aufgestoßen. Und überlassen das Staunen dem Hörer.

presse

»Auf der Skala der zu erwartenden Richtgrößen der kommenden Klavierjahre steht der Berliner Pianist Carsten Daerr ganz weit oben. Seine Fähigkeit, ein hohes Maß musikalischer Abstraktion und Reflexion in seine Musik zu integrieren, ohne dabei deren Unmittelbarkeit zu verlieren, macht ihn nicht nur zu einem gefragten Solisten, sondern unterscheidet auch seine Kompositionen deutlich vom musikalischen Mainstream. Und die Keimzelle von Carsten Daerrs Kreativität ist sein Trio mit Oliver Potratz am Bass und dem Schlagzeuger Eric Schaefer. Diesem Trio geht es um Kraftströme, vorsichtige Pulsierungen, aber auch herbe Eruptionen, die die Musik bestimmen. Energie!«

Jazzfestival Freiburg | 29.9.2008

»Das Trio des Berliner Pianisten erzählt seit 10 Jahren musikalische Geschichten, die zu den spannendsten des deutschen Jazz gehören. Diese Formation hat zu einer Klarheit und zu einer Tiefe gefunden, die im, an Piano Trios reich gesegneten Euro Jazz, Seltenheitswert besitzen. Carsten Daerrs Spiel öffnet helldunkle Seelenwelten, in denen sich die Bereitschaft, etwas zu riskieren, mit großem musikalischem Können verbindet.«

Deutschlandfunk | Jazzfacts | Günther Huesmann | 08.02.2008

»Mit Michael Wollny und Carsten Daerr waren in Elmau zwei der wichtigsten deutschen Jazzpianisten der jungen Generation zu hören. ... Daerr bezauberte mit seinem Trio und einem ganz eigenem Understatement und klingt - das größtmögliche Kompliment - wie niemand sonst.«

Jazzthing | Hans-Jürgen Schaal über das 8. European Jazztival in Schloss Elmau | Februar/März 2008

»...eine Band, die sich mit fast jedem Song neu erfindet.«

Jazzthetik | Klaus Von Seckendorff über das 8. European Jazztival in Schloss Elmau | Februar 2008

»Wie sehr sich die Wahrnehmung durch Schlafentzug verändern kann, fasziniert Carsten Daerr. Auf seinem aktuellem Album ›Insomniac Wonderland‹ hat der Pianist meist unter Einfluss des Jetlags, erste Eindrücke einer Weltreise musikalisch skizziert.
Schlafstörungen können eine wahre Qual sein. Ist die Schlaflosigkeit jedoch nur temporär begrenzt, da sie sich zum Beispiel auf eine anstrengende Reise zurückführen lässt, dann kann sie laut Carsten Daerr ebenso für kreativen Input sorgen. Denn wer hat die Erfahrung noch nicht gemacht, dass nach einer durchgefeierten Nacht, der Heimweg durch vertraute Straßen neuartige Eindrücke vermittelt? Die Müdigkeit kann wie ein Filter funktionieren, der alltägliche Wahrnehmungen unterdrückt und stattdessen neue um so mehr verstärkt. In diesem Zustand der Erschöpfung hat Daerr bei Reisen in asiatische Städte wie Manila, Penang, Kuala Lumpur, Singapur und Jakarta direkt nach der Ankunft seine unmittelbaren Eindrücke in musikalischen Momentaufnahmen festgehalten. Die gleichnamigen Songs sind sowohl unter dem Einfluss von urbanen Impressionen entstanden, wie dem Lärm der Motorroller oder der wolkenkratzenden Architektur, als auch offenkundiger gesellschaftlicher Missstände, wie der bedrückenden Armut auf den Straßen von Saigon und Hanoi. Für die Komposition „Manila“ ließ sich der Pianist wiederum von der pulsierenden Energie der Stadt inspirieren. Während Daerr unterstützt von dem Bassisten Oliver Potratz einen hektischen und zugleich dynamischen Klavierlauf immer und immer wieder intoniert, werden die wilden rhythmischen Ausbrüche des Schlagzeugers Eric Schaefer von dem expressiven Spiel des Gastsaxophonisten Uwe Steinmetz verstärkt. Das reduzierte ›Penang‹ strahlt dagegen eine filigran eigenwillige Atmosphäre aus, und ›Singapur‹ wandelt sich von einem anfänglich scheinbar vertrauten Sixtie-Instrumental in eine überbordende Mixtur aus Reggae- und Hardcore-Elementen.
Es ist Daerrs Kunstgriff, dass er sich den Blick des Fremden bewahrt. Er greift bei all seinen Kompositionen weder asiatische Musikelemente auf, noch imitiert er sie. Stattdessen nutzt er den Einblick in eine für ihn fremde Kultur für neue musikalische Perspektiven. Tatkräftige Unterstützung erhält er dabei von seinen Mitmusikern. Es ist Daerrs musikalische Offenheit, die seiner Form von Jazz eine faszinierende Ausstrahlung verleiht, die begeistert und zugleich inspirierend wirkt.«

arte.tv/de | Matthias Schneider | 15.01.2008

»Das Carsten Daerr Trio gilt schon seit Jahren als eines der spannendsten deutschen Klaviertrios. Das hat sich auch auf seiner dritten CD nicht geändert. ›Insomniac Wonderworld‹ bietet eine Rundreise durch Gebiete, in denen man ein Piano-Trio - mit kurzen Stippvisiten des Saxofonisten Uwe Steinmetz - nicht unbedingt vermuten würde. Titel wie ›Manila‹ oder ›Singapur‹ deuten bereits an, dass Eindrücke einer Südostasientournee verarbeitet werden. Wer aber jetzt plumpen Ethno-World-Jazz erwartet, liegt falsch - Daerr und seine Mitstreiter, der Bassist Oliver Potratz und der Schlagzeuger Eric Schaefer, verarbeiten ihre Inspirationen äußerst subtil und vielschichtig, brechen in ›Kuala Lumpur‹ zum Beispiel schon mal in groovende Gefilde auf, ohne Anklänge an die Avantgarde zu verleugnen. Seltsame Effekte ebnen in ›Jakarta‹ den Weg in ein Stück, das hypnotische Rhythmik mit einer geheimnisvoll melancholischen Melodik verbindet, bevor es von einem gewaltigen Orgel-Mahlstrom überdeckt wird. Hier sind nicht nur drei absolute Könner am Werk, sondern das Carsten Daerr Trio hat sich auch intensiv in die Studioarbeit versenkt - das Ergebnis ist ein Album, das mit jedem Hören wächst.«

Jazz thing 71 | Rolf Thomas

»Energie! Carsten Daerr und den seinen geht es um Kraftströme, vorsichtige Pulsierungen, aber auch herbe Eruptionen, die die Musik bestimmen. Dementsprechend weit ist das Spektrum, das der Berliner Pianist gemeinsam mit Oliver Potratz am Bass, Eric Schaefer am Schlagzeug und bei zwei Liedern Uwe Steinmetz am Saxofon auf ›Insomniac Wonderworld‹ entwirft. Das dritte Album des Trios ist ein Konzentrat reflektierter Kreativität - moderner Jazz in Hochform und nichts für Weicheier.«

Musik: 7-9
Klang: 8

Stereoplay | Ralf Dombrowski | 12/2007

»Das dritte Album ist ja immer so etwas wie der Big Point im Tennis, und nur wer diesen schafft, kann das Spiel gewinnen. Carsten Daerr hat mit seiner dritten CD den Big Point lässig nach Hause gespielt und seine Stellung im Jazz damit nachdrücklich unter Beweis gestellt. Im Trio mit Oliver Potratz am Bass und Eric Schaefer liefert er eine hervorragende CD ab und lässt sich von Südostasien inspirieren, nicht unbedingt von der Musik aus dieser Weltgegend, aber vom Lebensgefühl, von den Geheimnissen der Städte, von der Hektik und zugleich von der Stille der Orte. Er fängt all diese Eindrücke ein uns setzt sie musikalisch um, und daraus entstehen dann Momentaufnahmen, Bilder und Landschaften. Machen Sie sich mit dem Carsten Daerr Trio auf die Reise, es gibt viel zu entdecken.«

Concerto Nr. 6 | (akro) | Dezember 2007